Wir verwenden Cookies für dein individuelles Surf-Erlebnis, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. (inkl. US-Anbietern)
REGIONS-ORIGINALE
Zeit.los Magazin

von Zeit.los Magazin

02. März 2023

REGIONS-ORIGINALE

Beim Schmied: Alfons Neuner und sein altes Handwerk

Es gibt sie noch, die Orte, an denen man sich schlagartig in ein anderes Jahrhundert zurückversetzt fühlt. Die Schmiede von Alfons Neuner in Mösern ist so ein Kleinod, wo die alteingesessene Handwerkskunst und ihre zeitgemäßen Ausprägungen zu Hause sind.

Es ist schon ein besonderes Fleckerl Erde, an dem Alfons Neuner seinem handwerklichen Geschick und künstlerischen Schaffen nachgeht. Als einer der Letzten seiner Zunft hat er als Schmied mit Hammer, Amboss und Zange die Werkzeuge für ein erfülltes Leben gefunden. „I huns immer gern getun“, erzählt Alfons in tiefstem Tirolerisch und führt uns in seine Schmiedekammer. Ziemlich dunkel mutet es auf den ersten Blick an, das Feuer lodert in der Esse und der Lufthammer schlägt mit ordentlicher Lautstärke auf das glühende Eisen. Hier wird man ein weiteres Mal in eine andere Welt versetzt. Eine Welt, die einen eindrucksvoll eintauchen lässt in das Handwerk des Schmiedens in seiner ursprünglichsten Form. „Es isch ein bäriges Material“, verkündet Alfons Neuner, während er abwechselnd die heißen Eisen aus dem Ofen holt und mit kräftigen Schlägen bearbeitet, dass nur so die Funken fliegen. Ja, es ist finster in der Schmiedekammer, damit der Schmied auch an der Farbe des glühenden Eisens erkennen kann, wie hoch die Temperatur des Materials ist.

Das Feuer lodert in der Esse

Echtes Handwerk: Jahrhunderte alte Tradition

Das Material ist in den meisten Fällen Eisen oder Stahl, das in der sogenannten Esse so hoch erhitzt wird, sodass man es mit den Werkzeugen bearbeiten kann. Genauer gesagt nimmt der erfahrene Schmied das glühende Stück Eisen mit einer Zange aus dem Ofen und legt es auf den Amboss, auf dem es mit dem Hammer so lange geschlagen wird, bis es die richtige Form hat. Dabei kommen entweder händische Hammer zum Einsatz oder der sogenannte Lufthammer, eine stationäre Hammermaschine, deren Schläge mit dem Pedal gesteuert werden können. Manchmal braucht es dazu mehrere Vorgänge und so hat der erfahrene Schmied gleich mehrere Stück Eisen im Feuer, die er abwechselnd bearbeitet und wieder zurück in den Schmiedeofen legt. Ist der Meister mit seinen Werken zufrieden, dürfen diese auskühlen und aushärten.

Das glühende Metall ist heiß genug, um durch Hammerschläge geformt zu werden

Eine unglaubliche Fülle an verschiedenen Zangen und Hämmern hängt an den Wänden der dunklen Schmiedekammer. „Die Zangen sind der verlängerte Arm vom Schmied“, verrät Alfons. Die meisten davon hat er selbst gemacht. Während unseres Besuches arbeitet Alfons gerade an Lampenschirmen. Seine Designs sind beliebt und tragen seine eigene Handschrift. „Mit Schnecken macht man heute keinen Riss mehr“, schmunzelt er und so hat der rüstige Mittsiebziger seinen ganz eigenen Stil entwickelt und stattet moderne, schlichte Häuser ebenso mit seinen Handanfertigungen aus wie traditionelle.

Um seine einzigartigen Stücke zu fertigen arbeitet der Schmied mit vielen Werkzeugen und Maschinen

Mehr als nur ein Beruf

Obwohl er mit seinen 75 Jahren auf ein spannendes Leben zurückblicken kann, ist für Alfons noch lange keine Rede vom Ruhestand. „So bleibt man in Schuss“, meint der leidenschaftliche Schmied und Künstler, der sein Gewerbe nach wie vor angemeldet hat. Seine Arbeiten haben es in die unterschiedlichsten Häuser geschafft. „Das Design macht es aus, man muss sich mit seinen Entwürfen immer auch an den Bestand anpassen“, ist Alfons überzeugt. Aber egal, wer bei Alfons als Kunde an die Tür klopft, „behandeln tu ich immer alle gleich“.

Stolz ist er unter anderem auf seine Straßenlampen im Ort, die er vor 30 Jahren geschmiedet hat und die heute noch das Ortsbild von Mösern zieren. „Jede ist von der Gestaltung her ein wenig anders“, erzählt er, „verzinktes Eisen hat halt eine lange Lebensdauer.“ Eine lange Lebensdauer hat auch das Gemäuer, in dem Alfons seine Schmiede angesiedelt hat. „Das Haus wurde 1307 von Stamsern erbaut und 1668 neu aufgezimmert“, weiß der Schmied um das geschichtsträchtige Haus. „Früher war auch einmal die Volksschule in dem Haus angesiedelt, deshalb sind hier andere Fenster eingebaut und in dem Raum, wo heute meine Esse steht, war ursprünglich eine Küche.“

Schmied Alfons Neuner in seiner Schmiede in Mösern

Ein Leben voller Geschichten

Man kann die Geschichte in den altehrwürdigen Gemäuern förmlich spüren, so als würden sie tausende Geschichten erzählen wollen. Auch wenn die Mauern selbst nicht sprechen können, so hat Alfons einige Anekdoten aus seinem Leben auf Lager. Das beginnt in seiner Kindheit, die er auf dem benachbarten Spacklerhof verbrachte und wo er mit seinen sechs Geschwistern aufwuchs. Als ihm vor allem die Sprachen am Gymnasium in Stams das Leben schwer machten, entschied sich der Jugendliche für eine Lehre als Schmied bei seinem Lehrherrn Toni Hiltpolt in Seefeld. „Zuerst wollte er mich nicht nehmen und dann wollte er, dass ich seine Bude übernehme“, erinnert sich Alfons heute lachend. Seine eigene Schmiede gründete er bereits in jungen Jahren kurz nach seiner Meisterprüfung.

Sein Gespür für das Material und seine künstlerische Kreativität hat sich seit jeher in seinen Arbeiten und Werken widergespiegelt. Neben den herkömmlichen Schmiedearbeiten wie Lampen, Grabkreuzen oder Toren liegt Alfons’ eigentliche Leidenschaft in der Schaffung von Skulpturen. „Kunst isch eigentlich mei Ding“, verrät er und zeigt uns eine kleine Auswahl selbst gefertigter Skulpturen, die er im ehemaligen Klassenzimmer aufbewahrt. „Früher machte ich einmal im Jahr eine Ausstellung mit 15 bis 20 Skulpturen“, sagt er, während wir die größeren und kleineren Kunstwerke bestaunen. Zu seinen Werken zählt auch die zwölf Meter große Skulptur am Landecker Tunnel oder die Restauration des Rosengitters am Meinhardinum in Stams. Dieses künstlerische Geschick überträgt er auch auf seine Designs von Lampen oder Gattern. Und so sind es sein ganz eigener Stil und sein Gefühl für Proportionen, die seine Arbeiten so gefragt machen.

Auch privat ist Alfons ein kunstaffiner Mensch und besucht in seiner raren Freizeit gerne Museen oder Galerien: „Für eine gute Ausstellung reise ich gerne nach Wien oder auch nach Spanien“, gesteht der rüstige Schmied. Und schon geht’s wieder an sein Schmiedefeuer, immerhin müssen noch einige Stangen Eisen zu Original-Alfons-Neuner-Lampen geschmiedet werden. Die Freude an der Arbeit scheint Alfons jedenfalls noch lange nicht auszugehen und das Feuer der Leidenschaft für seine ehernen Kunstwerke hoffentlich auch nicht.

Das könnte dich auch interessieren

Weitere Blogbeiträge

Winter

Clever Kombiniert

Kathrin Ebenhoch

von Kathrin Ebenhoch

30. Januar 2024

Winter

Auf Spur

Zeit.los Magazin

von Zeit.los Magazin

22. Januar 2024

Winter, Tipps & Empfehlungen

Auf Geschenk-Mission am Seefelder Weihnachtsmarkt

Nicolas Lair

von Nicolas Lair

13. Dezember 2023

Winter, Tipps & Empfehlungen

Warum dieser Winter dein Langlauf-Winter wird!

Tessa Mellinger

von Tessa Mellinger

30. November 2023

Winter

Der große Schnee

Zeit.los Magazin

von Zeit.los Magazin

20. November 2023

Regions-Originale, Frühling & Herbst, Arbeiten & Leben

Ganghofer-Hubertuswoche: Zusammenhalt und kritischer Austausch

Kathrin Ebenhoch

von Kathrin Ebenhoch

28. September 2023

Frühling & Herbst, Tipps & Empfehlungen

Ostereier färben

Gast Blogger

von Gast Blogger

06. April 2023

Winter

Wander, Weiter

Zeit.los Magazin

von Zeit.los Magazin

02. März 2023

Winter, Tipps & Empfehlungen

Ins Schwarze treffen – Biathlon-Schnupperkurs

Zeit.los Magazin

von Zeit.los Magazin

09. Januar 2023

Regions-Originale, Arbeiten & Leben, Winter

Skilehrer müsste man sein...

Zeit.los Magazin

von Zeit.los Magazin

05. Dezember 2022

Winter, Tipps & Empfehlungen

Winteridyll Wildmoos: Der Ort zwischen den Orten

Zeit.los Magazin

von Zeit.los Magazin

01. November 2022

Sommer, Frühling & Herbst, Tipps & Empfehlungen

Die spektakulärsten Pools

Janina Sauer

von Janina Sauer

13. Oktober 2022

Frühling & Herbst, Tipps & Empfehlungen

Die schönsten Sonnenplatzln im Herbst

Chris Weittenhiller

von Chris Weittenhiller

03. Oktober 2022

Regions-Originale, Arbeiten & Leben

Die Tracht: Unser schönstes Gwand

Janina Sauer

von Janina Sauer

01. September 2022

Frühling & Herbst

Frühjahrsputz auf 300 Quadratkilometern

Laura Föger

von Laura Föger

22. April 2021

Frühling & Herbst, Tipps & Empfehlungen

Frühlings-Tipps: Die schönsten Orte im Frühling

Tessa Mellinger

von Tessa Mellinger

07. April 2021

Arbeiten & Leben, Sommer

Bio-Ortswärme Seefeld: Energie aus Biomasse

Chris Weittenhiller

von Chris Weittenhiller

30. Oktober 2020

Tipps & Empfehlungen, Sommer, Winter

Wo die Seele baumelt: Day Spa rund um Seefeld

Chris Weittenhiller

von Chris Weittenhiller

25. September 2020

Frühling & Herbst, Tipps & Empfehlungen

Die schönsten Wanderungen im Herbst

Tessa Mellinger

von Tessa Mellinger

01. September 2020

Sommer, Tipps & Empfehlungen

Bergtour mit Ausblick: Die 5 schönsten Gipfeltouren

Tessa Mellinger

von Tessa Mellinger

01. Juli 2020

Sommer, Tipps & Empfehlungen

20 Mal kühles Nass rund um Seefeld

Tessa Mellinger

von Tessa Mellinger

08. Juni 2020

Arbeiten & Leben, Tipps & Empfehlungen

Bauanleitung: Ein Haus für wilde Bienen

Chris Weittenhiller

von Chris Weittenhiller

19. Mai 2020

Regions-Originale, Arbeiten & Leben

Auf neuen alten Wegen: Bäuerin Simone Neuner

Tessa Mellinger

von Tessa Mellinger

25. April 2020

Kochstube, Winter

Zauberbrot mit Tradition: Der Tiroler Zelten

Gast Blogger

von Gast Blogger

19. Dezember 2019

Regions-Originale

Reither Brot: Tradition zum Anbeißen

Chris Weittenhiller

von Chris Weittenhiller

06. Dezember 2019

Regions-Originale, Winter

Regions-Originale: Monika und Hansi Bantl

Tessa Mellinger

von Tessa Mellinger

14. November 2019

Arbeiten & Leben, Regions-Originale

Leutasch is(s)t vegan: Florian Feckls kreative Küche

Tessa Mellinger

von Tessa Mellinger

19. September 2019

Regions-Originale, Arbeiten & Leben

Bauer Thomas Nairz und der Almabtrieb

Tessa Mellinger

von Tessa Mellinger

10. September 2019

Sommer, Tipps & Empfehlungen

Abenteuertour: Rafting auf der Isar

Tessa Mellinger

von Tessa Mellinger

02. August 2019

Sommer, Tipps & Empfehlungen

Karwendel Höhenweg: Weitwandern inmitten von Giganten

Zeit.los Magazin

von Zeit.los Magazin

01. August 2019

Sommer, Arbeiten & Leben

Magdalena Kirchtag

Gast Blogger

von Gast Blogger

17. Juli 2019

Regions-Originale, Arbeiten & Leben

Regions-Originale: Johanna Krug und ihr Kräutergarten

Tessa Mellinger

von Tessa Mellinger

15. Mai 2019

Sommer, Tipps & Empfehlungen

Mit dem E-Bike zum Isar-Ursprung

Lisa Krenkel

von Lisa Krenkel

14. Mai 2019

Frühling & Herbst, Tipps & Empfehlungen

Dinge, die du im Frühling unbedingt tun solltest

Tessa Mellinger

von Tessa Mellinger

02. April 2019

Regions-Originale, Winter

Josef Schandl und die Loipen

Tessa Mellinger

von Tessa Mellinger

05. Februar 2019

Sommer, Arbeiten & Leben, Frühling & Herbst

Almabtrieb: Wenn die Kühe wieder nach Hause kommen...

Gast Blogger

von Gast Blogger

03. September 2018

Regions-Originale, Arbeiten & Leben

Regions-Originale: Christine Ackermann und die Scharnitzer Alm

Tessa Mellinger

von Tessa Mellinger

29. August 2018

Sommer, Frühling & Herbst, Arbeiten & Leben

Handwerksfest: Altes Handwerk neu gelebt

Tessa Mellinger

von Tessa Mellinger

28. August 2018

Teilen