
von Kathrin Ebenhoch
28. Mai 2026
PLATEAU PIONIER
Plateau Pionier Landhaus Schmiedhof – Verena & Anton Hiltpolt
Für manche ist Nachhaltigkeit smarte Technik, für andere eine Anstrengung oder freiwillige Reduktion, die man in den vergangenen Jahren auf sich nahm, um Klima, Umwelt und Zukunft zu schützen. Für Verena und Anton Hiltpolt bedeutet Nachhaltigkeit, Dinge erhalten zu dürfen, sparsam zu leben und damit zufrieden zu sein. Bei ihnen ist Kreislaufwirtschaft Lebenskonzept, Reparieren und Upcycling gelebtes und geliebtes Hobby. Ihr Haus und Garten erzählen dadurch viele Geschichten von Gestern, von Heute und einer entspannteren Zukunft.
Schon im Eingangsbereich des Hauses hält man Geschichte in Händen. „Die älteste Tür im Haus stammt aus dem 13. Jahrhundert aus dem Stift Stams“, weiß Anton zu erzählen. Schon sein Vater hatte ein gutes Auge und sich oft um alte abgerissene und ausgebaute Sachen bemüht. Daheim in der Hiltpolt’schen Schmiede in Seefeld wurden die Dinge dann gelagert und weiterverarbeitet. „Auch die ehemalige Tür der Magnus-Kapelle in Leithen hat so eine neue Heimat bei uns gefunden.“ Ebenso manch‘ alter Dachbalken oder andere Holzelemente alter Bauerhöfe, zum Beispiel aus dem Ötztal. Heutzutage hat Altholz Hochkonjunktur, früher habe sich noch niemand dafür interessiert. Doch die Familie wusste schon immer: „Holz hat mehrere Leben – aus dem Dachbalken werden Bretter, später mal ein Bett, ein Tisch oder eine Bank und ganz am Ende Wärme im Kachelofen.“



Dass man aus alten Sachen Neues machen kann, haben Anton und Verena schon als Kinder gelernt. Anton durfte stets in der Werkstatt des Vaters mitarbeiten – „zuerst war es eher ein Müssen, dann ein Dürfen“, gibt er lachend zu – Verena sah ihrer Mama beim Schneidern zu. „Wir sind da reingewachsen und haben es so auch unseren Kindern weitergegeben.“ Anton baute die Betten im Haus schon immer selbst. Als sein Sohn unlängst in eine eigene Wohnung zog und in der Werkstatt sein eigenes Bett zimmerte, machte das den Vater richtig stolz. „Naja, er hat halt gelernt, dass man bei uns keine Betten kauft“, lacht Mutter Verena.
Neues kaufen, konsumieren und wegwerfen sind der Familie eher fremd. „Früher gab es sicher oft die Notwendigkeit sparsam zu sein und Dinge zu erhalten“, gibt Verena zu. „Doch uns hat es nie an etwas gefehlt. Vielleicht empfinden wir es daher eher als ein Erhalten-Dürfen.“ Dabei ist der Schmiedhof alles andere als altmodisch. Alte Dinge sind geschickt so verarbeitet und mit wenigen neuen Elementen kombiniert, dass kein moderner Komfort fehlt, aber trotzdem die Wärme und der Halt vom früher spürbar sind. Ein alter Kochtopf als stylischer Lampenschirm mit moderner Sparleuchte ist nur ein Beispiel für Upcycling vom Feinsten. Spieleregal und Bücherregal im Flur bieten alte wie neue Dinge zum Leihen und Ausprobieren – und vorgelebte Kreislaufwirtschaft. Denn Ausmisten bedeutet für Verena nicht Dinge wegzuwerfen, sondern sie wieder in Umlauf bringen. Um dies auch außerhalb des eigenen Hauses zu tun, richtete sie vor einigen Jahren die Seefelder Bücherzelle ein, in der Bücher und kleine Spielsachen ein und aus gehen und ihre Besitzer wechseln.
Eigentlich alles im Schmiedhof kommt natürlich daher, nichts wirkt künstlich oder nach Richtlinien umgesetzt. So ist auch die Tatsache, dass hier Apartments und keine Zimmer vermietet werden, eine gewachsene. „Wir waren in den 1980igern wahrscheinlich mit das erste Apartmenthaus“, erinnert sich Anton. Die Entscheidung dafür hatte aber nichts mit Innovationstrieb zu tun, sondern war wie so viele eine praktische. „Meine Mutter war früh verstorben, mein Vater musste uns Kinder, Betrieb und Haus versorgen – da war für Zimmervermietung schlicht zu wenig Zeit.“ Die Apartments blieben, auch als Verena und Anton das Haus in den 1990igern übernahmen. Der Nähe zu den Gästen tat das keinen Abbruch. „Wir waren und sind immer da, beantworten jede Frage und teilen Garten und Hof mit allen.“ Hausregeln, Inventarlisten und Hinweisschilder gibt es keine, man spricht einfach miteinander. „Oder, was das Thema Nachhaltigkeit angeht, man lebt es einfach vor.“
Verena und Anton empfinden es als einfach mit Apartments nachhaltig zu wirtschaften. „Die ganze Küchenthematik fällt weg, und auch der Müll und die Wäsche sind wenig.“ Energetisch läuft das Haus mit Fernwärme, Solar, Photovoltaik und den hauseigenen Öfen. Die Verwendung und die Produktion lokaler Lebensmittel – Leitungswasser, Eier, Honig, diverse Säfte und Marmeladen – werden vorgelebt oder den Gästen zum Verkosten gereicht. „Wir wollen nicht missionieren“, sagt Verena. „Wir machen es uns fein und lassen die Gäste teilhaben.“ So sieht sie auch ihre Angebote in Waldbaden, Naturpädagogik und im Märchen-Vorlesestadl: „Es macht mir Freude, wenn ich jemanden für unseren Lebensstil und unsere Naturliebe begeistern kann.“ Selbst die Schilder im biodiversen Garten weisen nur unterschwellig auf eine nachhaltige Haltung hin. „Wir sind hier ordentlich schlampig, weil es der Natur guttut“ lautet einer der humorigen Hinweise, die doch so viel Wahrheit in sich tragen.
Wir machen es uns fein und lassen die Gäste teilhaben.
In einer Zeit voller Streben nach höher, schneller, weiter und mehr wirkt der Schmiedhof, wie ein erholsames Heimkommen zu weniger, langsamer und zufriedener. Viele Gäste nutzen ihn als Auszeit, viele kommen wieder und viele nehmen etwas von der entspannt nachhaltigen Lebenseinstellung mit.
Die Fakten in kompakter Form findet ihr im Steckbrief. Weitere Informationen zu den Plateau Pionieren gibt’s hier.





