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Erinnerungen und Gegenwart

Goldenes Jubiläum

Der heurige Februar steht ganz unter dem Schein der olympischen Ringe. Und zwar nicht nur in Italien, sondern auch in Tirol. Denn vor genau 50 Jahren, von 4. bis 15. Februar fanden in Innsbruck und Seefeld zum zweiten Mal die olympischen Spiele statt. Viele erinnern sich gern zurück. So auch die dreifache Medaillengewinnerin im Eischnelllauf Sheila Young (USA), die anlässlich des 50. Jubiläums mit ihrer Familie zurück in die Region kam.

Young hatte ihre Rennen am 5., 6. und 7. Februar. Über 500 m und 1.000 m galt sie als Favoritin. Ihre erste Medaille holte sie aber überraschend am 5. Februar mit Rang zwei über die 1.500 m. „Ich wollte eigentlich nur mit den anderen mithalten, und dann wurde es die Silbermedaille“, erinnert sie sich. „Ich war so glücklich mit diesem ersten Rennen.“ Über 500 m legte sie dann erwartungsgemäß Gold nach – auf diese Strecke hatte sie kurz zuvor in Davos (Schweiz) einen neuen Weltrekord aufgestellt. Über die 1.000 m gewann Young schließlich Bronze. „Ich war eigentlich Goldfavoritin, aber bei den Siegerehrungen in den Tagen zuvor hatte mir die Bronzemedaille immer am besten gefallen. Ich bin mir sicher, nur darum habe ich dann schließlich diese gewonnen“, lacht sie am Kaffeetisch im Hotel Hochland in Seefeld. „Ja, ich bin da ein bisschen abergläubisch.“

50 Jahre später

Am 6. Februar 2026 ist Young zurück im Eisschelllaufstadion in Innsbruck. Sie hat ihre gesamte Familie von Ehemann Jim Ochowicz über ihre drei Kinder bis hin zu ihren Enkeln dabei. Alle haben ihre Schlittschuhe an, Young hat sogar extra ihre Eisschnelllaufschuhe aus den Staaten mitgebracht. „Ich hab‘ echt Tränen in den Augen“, sagt sie und spürt den Erinnerungen nach. „Ich weiß noch, wie ich nach dem Rennen meinen Vater im Publikum gesucht habe, um ihn zu umarmen.“ 2026 dreht sie gemütlich zusammen mit ihrer Familie ein paar Runden und zeigt und erklärt vor allem ihren Enkeln jedes Detail. Die Goldmedaille von 1976 baumelt dabei um ihren Hals.

Zurück in Seefeld werden weitere Geschichten von 1976 erzählt. Die Enkel sind stolz auf ihre Oma. Die älteste hat vor kurzem erst ein Referat über sie in der Schule gehalten. Doch irgendwann lockt dann doch der Schnee draußen vor der Tür. Die Nähe zum Geigenbühl hat es den Kindern angetan. „Es sind die perfekten Ferien“, sagt Sheila. „Alles ist in der Nähe, mit dem öffentlichen Bussystem kommt man überall unkompliziert hin; und das wichtigste, es genug guter Schnee.“ Den hat zuhause in Utah zuletzt vor allem ihr Mann vermisst. „Er ist ein leidenschaftlicher Langläufer und genießt es hier jeden Tag auf dem riesigen Loipennetz der Region laufen zu können.“ Ob er in seiner Woche auf Tirols Hochplateau alle 245 Kilometer geschafft hat, ist nicht überliefert. Zuzutrauen wäre es dem passionierten Ausdauersportler aber. Er gründete einst das erste und erfolgreiche US-amerikanische Straßenradsportteam 7-Eleven (später Motorola) und managte es bis zur Tour de France 1996.

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Bill Koch und zwei Paar Langlaufski

Den Langlaufsport entdeckte Jim 1976 ebenfalls aufgrund der Spiele in Innsbruck und Seefeld. Denn der US-Amerikaner Bill Koch gewann just am selben Tag wie Sheila eine Silbermedaille – im 30 km Langlaufrennen in Seefeld. Koch war zu der Zeit unbekannt, Young aufgrund ihrer Weltrekorde im Fokus des amerikanischen Interesses. So bekam in den USA zunächst kaum jemand etwas von seinem Erfolg mit. Sheila lernte ihren Teamkollegen aber kennen: „Wir trafen uns bei der Siegerehrung“, erinnert sich die heute 75-Jährige. „Kurz darauf hat er mir und meinem Mann unsere ersten Langlaufski besorgt.“

Koch brachte aber nicht nur Sheilas‘s ihre Familie zum Langlaufsport. Er prägte das Langlaufen nachhaltig. Sein Laufstil beeindruckte vor allem die Zuschauer in Wildmoos, erinnert sich Konni Winkler, ein ehemaliger deutscher Langläufer aus dem benachbarten Mittenwald, der damals dort oben an der Strecke zusah. Koch entwickelte auch die ersten „Hairies“, die Vorgänger zu unseren heutigen Fellski der klassischen Technik und versuchte sich als einer der ersten Weltcupläufer in der Skating-Technik. Erlernt und perfektioniert hatte er sie auf Langlauf-Marathonrennen in den späteren 1970er Jahren; unter anderen bei dem als ihr Erfinder geltenden Pauli Siitonen. Dank ihr gewann er 1981/82 die Gesamtweltcupwertung im Langlauf und die Bronzemedaille über 30 km bei den 34. Nordischen Skiweltmeisterschaften in Oslo (NOR) und rückte damit die neue Technik in den Fokus des Interesses.

Empfehlung Seefeld

Zurück zu Sheila Young und ihrem 50. Olympia-Jubiläum: Ihr Aufenthalt in Seefeld kam just ebenfalls auf Empfehlung eines Langläufers. Diesmal war es nicht Koch, sondern Kyle Bratrud (USA). Er ist der Schwiegersohn einer guten Freundin und hatte schon häufiger auf Tirols Hochplateau trainiert. 2019 startete hier bei den FIS-Nordischen Skiweltmeisterschaften. „Die Region hat ihm so gut gefallen, dass er sie mir gleich empfahl“, sagt Sheila. „Und er hatte definitiv Recht. Ich werde sie auch weiterempfehlen.“

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Kurzinformationen

  • Dieser machte aber eigentlich nur einen einseitigen Schlittschuhschritt und feierte damit große Erfolge. Erste Ansätze zum Skaten gehen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zurück.
  • 1983 wurde die Technik verboten, ehe sie bei den Nordischen Weltmeisterhschaften1985 in Seefeld wieder unter der Bezeichnung Siitonen-Schritt auftauchte und von den meisten Läufern angewendet wurde. 1986 wurde sie als eigene, freie Technik vom internationalen Skiverband FIS eingeführt.

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