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Oberer Wiesenweg im Frühwinter_Nahaufnahme Mann und Frau

Wie man die Vorfreude auf den Winter einfängt

Potenzial Frühwinter

Ganz Tirol schrieb heuer im Dezember und Januar positive Zahlen in der Tourismusbilanz. Die Region Seefeld war im Dezember im absoluten Spitzenfeld und verbuchte ein Plus von rund 15 % bei Ankünften und Übernachtungen. Auch im November hatte vor allem der Ort Seefeld schon mit top Zahlen überzeugt. Woher kommt dieser Trend und wie lässt er sich weiter positiv beeinflussen?

In der Hotellerie findet man die Antwort in der Buchungsrelevanz – sprich, warum buchen Gäste bei mir? Laut Alois Seyrling, Chef im Hotel Klosterbräu, stellen sich unsere Urlauber:innen dabei zwei Fragen: Was bietet das Hotel? Und welches Angebot hat die Region? Während sich Ende Dezember und im Januar diese Frage in Tirol meist von selbst beantwortet – Schnee, Loipen, Skipisten, also ein großer Outdoor-Angebot – ist es im November und Dezember eine größere Herausforderung ein ansprechendes Angebot zu schnüren.

„Gleichzeitg liegt hier wahrscheinlich das größte Wachstums-Potenzial“, sagt TVB-Geschäftsführer Elias Walser. „Wenn wir es schaffen, die Lust die Gäste auf den Winter zu wecken.“ Auch Alex Schmid, Obmann der Seefelder Kaufmannschaft sieht im Frühwinter die größte Stellschraube für die Steigerung der Wertschöpfung: „Die Menschen freuen sich auf den Winter. Diese Vorfreude kann ich verkaufen beziehungsweise mit meinen Produkten unterstützen.“ Je besser eine Region diese freudige Erwartung des Winters im November und Dezember einfängt, desto mehr kann sie davon profitieren.

Genau hier kommt der TVB ins Spiel. Die neue Strategie wurde so verstärkt auf Ganzjährigkeit ausgelegt und fokussiert sich unter anderem auf die Belebung das Anziehungspunkts Seefelder Fußgängerzone in zumindest zehn Monaten – November und Dezember inklusive. Die Produkte „Magie des Frühwinters“ und „Seefelder Lichterzauber“ zielen genau daraufhin ab. Für die gesamte Region setzt man auf die Verbesserung und Effizienzsteigerung in der Beschneiung und Belegung der Loipen. Die Lage auf einem 1.200 m hohen Hochplateau hilft mit natürlichen weißen Flocken. Das Produkt Winterwandern oder offener formuliert Wandern im Winter* zahlt hier ebenfalls ein. Denn für eine heimelige, die Vorfreude schürende Wanderung im Frühwinter braucht es noch keine geschlossene Schneedecke. Die ersten Flocken, die vom Himmel fallen oder angezuckerte Berge und Baumwipfel genügen.

Einen großen Unterschied, da sind sich Hotellerie, Kaufmannschaft und TVB einig, machte 2025 der um eine Woche frühere Start des Seefelder Weihnachtsmarkts. Das weihnachtliche Glitzern, Punsch und Glühwein, festliche Musik sowie allerlei Leckereien sind wärmende Highlights für die Seele im Novembergrau. Die Idee des Lichtblicks in der dunklen Jahreszeit greift auch der Seefelder Lichterzauber auf und lässt Tirols Hochplateau bereits ab 1. November glänzen. Zusammen mit dem Rodelhügel und dem Eislaufplatz wird ein Angebot geschnürt, dass auch mit wenig Schnee funktioniert.

Diagramme Plateau Intern_Ankünfte_Nächtigungen_Nov
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Die positiven Auswirkungen der neuen Strategie und der ihr geschuldeten Produkte lassen sich eindrucksvoll an den heurigen Zahlen zeigen. 2025 verbuchte die Region im November ein Plus an Übernachtungen von 5,4 %, Seefeld kam gar auf 15,4 %. Im Dezember nächtigten 14,3 % mehr Gäste in der Region, in Seefeld 17,7 %. Auch die Ankünfte verzeichneten mit 12,4 % regional und 15,6 % in Seefeld einen kräftigen Zuwachs. Betrachtet man die anonymisierten Aufenthaltsdaten der Seefelder Fußgängerzone, so zeigt sich im November eine Steigerung von 22 % der Gesamtanzahl an Besucher:innen und von 22 % im täglichen Durchschnitt. Besonders gut ist die Steigerung in der zusätzlichen Weihnachtsmarktwoche zu sehen. Im Dezember zeigte sich eine Steigerung von 27 % sowohl in der Gesamtzahl der Besucher:innen als auch im täglichen Durchschnitt. Spannend dabei: Der Dezember schlägt den meist als sehr stark und voll empfundenen August deutlich. Insgesamt waren von 01.12. bis 31.12.2025 32% mehr Gäste im Dorf unterwegs als von 01.08. bis 31.08.2025. Im Tagesdurchschnitt waren es ebenfalls 32 %. 2024 war der Dezember ebenfalls stärker besucht als der August, allerdings nur um 11 %.

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Dass diese Gäste nicht nur herumschauen und genießen, können Seyrling, Schmid und auch Jürgen Armbruster, Kassier der Seefelder Kaufmannschaft, eindeutig bestätigen. „Die Verkaufszahlen zeigen bei allen nach oben“, sagt Armbruster. Selbst in seinem Schmuckgeschäft, dass produktbedingt seit jeher im November/Dezember starke Zahlen schreibt, macht sich die Steigerung bemerkbar. Schmid verzeichnet in seinen Geschäften – Schuhe und Mode – massive Zuwächse. „Die zusätzliche Woche Weihnachtsmarkt bringt rund 20 % plus.“ Zusätzlich weiß er von Kolleg:innen, dass das Nikolauswochenende heuer Umsätze brachte wie sonst die Weihnachtstage. „Bei mir persönlich war der Umsatz im November 2025 besser als jener im März, und das trotz der 2025er Frühjahrsausgabe der Markttage“, sagt Schmid. Wichtig ist ihm auch zu verstehen, dass der Fokus nicht nur auf die übernachtenden Gäste gelegen werden muss. „Denn die Tagesgäste finanzieren hier kräftig mit. Schaffen wir für sie ein attraktives Angebot im Frühwinter, profitieren letztlich auch die Urlaubsgäste von der größeren, geöffneten Infrastruktur.“ „Diese schlägt sich schlussendlich in einer besseren Buchungslage nieder“, bestätigt Hotelier Seyrling. Er hofft, nicht zuletzt auch als Obmann des TVB, dass immer mehr Betriebe – ob Hotellerie, Gastronomie oder Kaufleute – im Frühwinter aufsperren oder offenhalten und die positive Stimmung mitnehmen und vorantreiben.

Mit dem richtigen Produkt scheint Vorfreude nicht nur die schönste Freude zu sein, sondern auf Tirols Hochplateau auch eine der rentabelsten.

Anmerkung

  • *Streng genommen unterscheidet man zwischen Winterwandern, welches per Definition nur auf einer geschlossenen Schneedecke auf dem Wanderweg erfolgend kann, und Wandern im Winter, welches sich durch die Jahreszeit, in der man wandert, definiert und keine geschlossene Schneedecke erfordert.

Tourismusverband Seefeld | Austria +43 5 0880 | region@seefeld.com | www.seefeld.com