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Geschafft
Seefeld zieht endgültigen Schlussstrich unter die WM 2019
Erleichtert gaben vergangene Woche Seefelds Bürgermeisterin Andrea Neuner, Vizebürgermeister Alexander Schmid, TVB-Geschäftsführer Elias Walser und die Prokuristin der WM-Sportanlagen Seefeld-Tirol GmbH Simone Fuchs bekannt, dass alle offenen Themen der 52. Nordischen Skiweltmeisterschaften von 2019 abgeschlossen sind. Über sieben Jahre nach Ende des Großevents konnte das Damoklesschwert Fördergeldrückzahlungen mit dem Erhalt der von der Österreichischen Finanzprokuratur gegengezeichneten Vereinbarung zwischen der Gemeinde Seefeld, der WM-Sportanlagen Seefeld-Tirol GmbH, dem Tourismusverband Seefeld und der Republik Österreich endlich abgehängt werden.
Die Erleichterung, dass dieses große und herausfordernde Kapitel nun endlich ein Ende gefunden hat, war Neuner ins Gesicht geschrieben. Die mit rot-weiß-roter Kordel gebundene Vereinbarung in Händen, trat die 50-Jährige lachend vors Gemeindeamt: „Ich bin sehr froh, dass wir hier in meiner aktuellen Amtsperiode tatsächlich noch einen Schlussstrich daruntersetzen können.“
Lange Vorgeschichte
Die Vorgeschichte war tatsächlich eine lange: Am 3. März 2019 lief um 15:14 Uhr mit dem Griechen Alex Vanias der letzte Läufer des finalen 50 Kilometer Langlaufrennens über die Ziellinie und setzte damit den Schlusspunkt unter die 52. Nordischen Skiweltmeisterschaften in Seefeld. Zurück blieben bei strahlendem Sonnenschein zahllose feiernde Fans und gute Stimmung. Bald jedoch zogen dunkle Wolken auf, Schulden sowie mögliche hohe Fördergeldrückzahlungen standen im Raum. Der WM-Bürgermeister Werner Frießer trat im Juni 2021 aus privaten Gründen zurück. Sein Nachfolger Markus Wackerle konnte keine Lösung erzielen. Nach seinem Rücktritt im Oktober 2023, löste sich schließlich am 28. November 2023 der gesamte Seefelder Gemeinderat auf. Der WM-Ort kam unter Amtsverwaltung, Sonne und gute Stimmung schienen verflogen.
Mit Andrea Neuner stellte sich im Februar 2024 nur eine mutige Kandidatin den Neuwahlen, die sich zutraute, das Schlamassel WM-Schulden anzugehen. Der Tourismusverband und sein Aufsichtsrat wussten um die Bedeutung der Sportinfrastruktur für die Region und waren stets bestrebt, eine gute Lösung für deren Erhalt und weiteren planmäßigen Betrieb zu finden. Mit der Konstituierung des neuen Gemeinderats am 11. März 2024 stand dieser auch von Seite der Gemeinde nichts mehr im Wege. „Es haben sofort alle an einem Strang gezogen“, erinnert sich Walser. „Dadurch konnten wir schnell eine Lösung erarbeiten.“ In der Tat legten Gemeinde, TVB und die WM-Sportanlagen Seefeld-Tirol GmbH bereits im Sommer 2024 einen ersten Entwurf vor. In der Vereinbarung erklärte sich der TVB bereit, ein ehemals gegebenes Darlehen in einen Investitionszuschuss umzuwandeln sowie weitere rund 1,4 Millionen Euro an WM-Zuschuss zu übernehmen. Im Gegenzug übertrugen Gemeinde und WM-Sportanlagen Seefeld-Tirol GmbH das im Rahmen der WM errichtete Technical Center an den Tourismusverband. Dieser nutzt den Gebäudekomplex nun unter anderem als Bauhof, kommt aber auch den in den WM-Förderverträgen bis 31.12.2040 festgeschriebenen Betriebsauflagen nach.



Enge Zusammenarbeit
„Die enge und sehr gute Zusammenarbeit von TVB und Gemeinde ermöglicht diese für alle Parteien gute Lösung“, erklärt Neuner. Das Geld floss im August 2024, die Vereinbarung wurden von allen Parteien rund um den Jahreswechsel 2024/25 unterzeichnet. „Es folgten fast eineinhalb Jahre banges Warten“, gesteht Walser. „Denn ohne die Genehmigung durch die Finanzprokuratur wäre die Vereinbarung wertlos gewesen.“ Nun ist diese erfolgt und alle sind glücklich. „Das Beste daran ist“, lacht Neuner „dass ich endlich wieder entspannt zu Terminen ins Landhaus fahren kann. Die ewige Bitte, ob nochmals in Wien nachgehakt werden könnte, war mir schon sehr unangenehm.“ Auch Fuchs, die erst lange nach der WM die Leitung der Sportanlagen GmbH übernahm, ist froh, dass dieser Tagesordnungspunkt „nun endlich ad acta gelegt werden kann und wir nach vorn schauen können.“
Nach vorn schauen bedeutet auch, weiter für den Hochleistungssport, große Sportevents und als Nachwuchstrainingszentrum zur Verfügung zu stehen. Vor allem letzteres ist Teil der Auflagen des WM-Fördervertrages von 2018. „Wir stehen dazu“, sagt Schmid. Der Unternehmer merkt aber auch kritisch an, dass die Finanzierung solcher Auflagen für kleine Orte nicht einfach sei. „Landes- oder gar bundesweite Sportstrategien müssten künftig auch langfristigen Finanzierungsfragen mitdenken.“
Insbesondere bei kostenintensiven Anlagen wie Sprungschanzen oder großangelegten Loipen, die im Verhältnis zum Betriebsaufwand wenig Ertrag bringen, sollten nicht nur der Bau, sondern auch der Erhalt und der Betrieb Teil der Förderstrategien sein. „Es ist nicht einfach für eine 3.600 Seelen-Gemeinde wie Seefeld ein so großes Leistungszentrum zu erhalten.“ Ohne den TVB und den geschickten touristischen Nutzen der Anlagen wäre es gar nicht möglich.
Zukunft
Wie die WM-Anlagen Anlaufstelle für alle, Athlet:innen wie Gäste und Einheimische, werden und welche Projekte TVB und Gemeinde hierzu starten, erfährt man unter anderem auf der neuen Website der Arena365: www.seefeld.com/arena365/.
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