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Österreich und die Geschichte der nordischen Kombination
Kathrin Ebenhoch

von Kathrin Ebenhoch

30. Januar 2024

Österreich und die Geschichte der nordischen Kombination

Clever Kombiniert

Am ersten Februarwochenende begeistern beim 11. Nordic Combined Triple in Seefeld in Tirol wieder die besten nordischen Kombinierer*innen das Publikum. Vergangenes Jahr holte Lokalmatador Johannes Lamparter beim zehnjährigen Jubiläum endlich den lange ersehnten Triplesieg für Österreich und schwärmte danach: „Besser kann ein Tag nicht sein.“ Und es war in der Tat für ihn und für die nordische Kombination ein Tag wie aus dem Bilderbuch – mit Kaiserwetter, einem fairen und spannenden Wettkampf sowie verdienten Siegern aus den drei großen Kombi-Nationen Österreich, Deutschland und Norwegen. Doch wie ist diese Sportart, die die beiden sehr gegensätzlichen Einzelsportarten Skisprung und Langlauf vereint und dadurch nicht nur in Seefeld Athlet:innen wie Fans fasziniert, eigentlich entstanden? Wie hat sie sich bis heute entwickelt? Und warum ist sie so eng mit Österreich verbunden, dass der Weltcup in Seefeld, wie Renndirektor Lasse Ottensen beim dortigen Pressegespräch bestätigte, 25 Prozent der medialen Aufmerksamkeit des gesamten Winters bekommt?

Ihren Ursprung hat die Kombination wie alle nordischen Sportarten in Norwegen, wo bereits 1887 erste Wettkämpfe am Husebybakken in Olso dokumentiert sind. Bei den ersten olympischen Winterspielen 1924 in Chamonix (Frankreich) wurden erste Medaillen vergeben, die ersten Weltmeister wurden 1925 gekürt. Dabei ergaben sich bis 1955 die Sieger der Kombination aus den Einzelergebnissen von Speziallanglauf und Spezialspringen, erst 1956 etablierten sich eigenständige Wettkämpfe. Was aber keineswegs bedeutet, dass die nordische Kombination bis dahin ein Schattendasein fristete, ganz im Gegenteil. Viele Nationen verliehen bis in die Dreißigerjahre ihre Meistertitel nur in der Kombination und nicht in den Einzeldisziplinen Skisprung und Langlauf. Die nordische Kombination galt als Königsdisziplin, und die Kombinierer als jene Meister, die den nordischen Wintersport allumfassend beherrschten. Diesen hohen Stellenwert hat die Disziplin beim breiten Publikum in den vergangenen Jahrzehnten etwas eingebüßt, zu faszinierend sind vor allem die immer weiter werdenden Sprünge und Flüge der Spezialspringer. Unter den Experten*innen und Athlet*innen genießt das Kombinieren aber nach wie vor höchstes Ansehen.

Nur Skispringen oder Langlaufen war mir immer zu langweilig“, erzählt beispielsweise Lukas Greiderer, Olympia-Bronzemedaillengewinner von Peking 2022. „Als Kind machst du ohnehin immer beides. Und mich fasziniert bis heute das Abwechslungsreiche, wenn man diese beiden so verschiedenen Sportarten vereint.“ So treibt ihn selbst in seinem elften Weltcupjahr ungebrochen die Liebe zu dieser Sportart an.

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Österreichs erste WM-Medaille: Bronze in der Nordischen Kombination

Die Begeisterung für seinen Sport pushte wohl auch schon 1933 den Steirer Harald Bosio zur allerersten nordischen WM-Medaille für Österreich, einer Bronzemedaille in der nordischen Kombination. Diese gewann er auch noch just bei den ersten nordischen Skiweltmeisterschaften in Österreich, und am Bergisel in Innsbruck und auf den Loipen von Seefeld ausgetragen wurden. Es wäre hoch gegriffen zu sagen, dass damit der Grundstein für eine beeindruckende Entwicklung der Kombination in Österreich gelegt worden sei. Denn große internationalen Erfolge stellten sich erst wieder mit Doppelgesamtweltcupsieger Klaus Sulzenbacher Ende der Achtzigerjahre sowie den Olympiasiegern und Weltmeistern Felix Gottwald, Mario Stecher, Bernhard Gruber und co in den 2000ern ein. Trotzdem scheint diese erste Medaille sehr passend zu all jenen entscheidenden Schritten, die in den vergangenen 40 Jahren in Österreich für die nordische Kombination gemacht wurden.

So fand zum Beispiel am 17. Dezember 1983 wiederum in Seefeld der allererste Weltcup der Herren in der nordischen Kombination statt. In diesem ersten Weltcupbewerb feierte auch die Gundersen Methode ihre Prämiere. Und auch die Damen gaben ihr Weltcupdebüt 37 Jahre später in Österreich, am 18. Dezember 2020 in Ramsau am Dachstein. Seefeld und Ramsau sind jährlich Austragungsorte für den Weltcup und zeichnen auch für drei nordische Skiweltmeisterschaften (Seefeld 1985 und 2019, Ramsau 1999) verantwortlich.

Große Veränderungen

Bei jener 1985 bahnte sich eine große Veränderung an. „Der Siitonen Schritt, die Vorstufe zur heute bekannten Skatingtechnik, wurde erstmalig bei internationalen Bewerben gelaufen“, erinnert sich Günter Csar, selbst Olympia- und WM-Medaillengewinner in der Kombination, Trainer und Funktionär. „Das geschah damals noch in einer Grauzone, da noch kein Reglement vorhanden war.“ Nachdem in den Einzelrennen jene Athleten mit der neuen Technik schneller waren, kamen im Teambewerb fast alle von der bisher gelaufenen klassischen Technik ab. „Daraufhin wurde schon im folgenden Weltcupjahr die freie Technik im Reglement der Kombination festgeschrieben.

Das war nicht die einzige große Neuerung, die ihren Ursprung in Österreich hat. Auch der provisorische Wettkampfsprung (PCR) wurde erstmals in Seefeld gemacht. Im Januar 2008 waren für den zweiten Wettkampftag sehr schwierige Bedingungen angesagt. „Wir saßen mit Renndirektor Ulrich Wehling zusammen“, erinnert sich der damalige OK-Chef Werner Frießer. „Für Sonntag war Föhnsturm angesagt, am Samstag herrschten top Bedingungen.“ Kurzerhand wurden TV-Stationen und Teams informiert, dass am Samstag noch ein weiterer Sprung abgehalten wird, um notfalls für das Rennen vom Sonntag einen Sprung in der Tasche (eng. pocket) zu haben. Tatsächlich war am Sonntag ein Springen unmöglich, so wurde der damals noch als „pocket jump“ bezeichnete, provisorische Wettkampfsprung vom Samstag gewertet. „Zur nächsten Saison wurde er ins Reglement aufgenommen.“ Und hat damit schon so manchen vom Wind verblasenen Wettkampf gerettet.

Das Nordic Combined Triple – ein legendäres Format

Die bedeutendste Innovation aber, die ebenfalls in Seefeld ihren Anfang nahm, ist wohl das Nordic Combined Triple. Seit elf Jahren avanciert es bei den nordischen Kombinierern zu dem, was die Vierschanzentournee bei den Spezialspringern ist. Seine Geschichte begann 2013, als eine Gruppe um Werner Frießer, damaliger OK Chef, und Ernst Vettori, damaliger nordischer sportlicher Leiter des österreichischen Skiverbandes (ÖSV), überlegte, wie der Weltcup in Seefeld zu einem echten Saisonhighlight für die Nordische Kombination werden könnte. „Unser erster Gedanke waren ähnlich wie bei der Tournee drei Wettkämpfe an drei verschiedenen Orten“, erinnert sich Frießer. Doch diverse Hindernisse machten dies nicht umsetzbar. Als Alternative entstand das neue Triple-Format an nur einem Ort, welches schon 2014 seine Premiere feierte. Seitdem fand der einzigartige Weltcupevent jedes Jahr statt, neunmal in Seefeld und einmal, im WM-Jahr 2019, in Chaux-Neuve (Frankreich). Die elfte Ausgabe in Seefeld beginnt dieser Tage, am 1. Februar 2024.

Triple bezieht sich dabei auf die drei Tage, an denen je ein Wettkampf in der nordischen Kombination stattfindet und nicht auf drei verschiedene Sportarten. Ursprünglich umfasste es alle Formate der Nordischen Kombination – einen Sprung von der HS-109-Meter Schanze gefolgt von einem Sprint über 5 Kilometer an Tag eins, dem klassischen 10 Kilometer Gundersen-Rennen an Tag zwei sowie der traditionellen 15-Kilometer Gundersen-Variante an Tag drei. „Über die Jahre haben wir nachjustiert“, erklärt Frießer. So umfassen die Langlaufrennen heute an Tag eins 7,5, an Tag zwei 10 und an Tag drei 12,5 Kilometer. Der Clou des Triples ist aber geblieben: Der Sieger steht erst nach dem dritten Langlaufrennen am Sonntagnachmittag fest. Das geschieht dadurch, dass die Ergebnisse vom Vortag jeweils in die aktuelle Startreihenfolge einfließen und so am Ende des dritten Langlaufrennens der Gesamtsieger als Erster über die Ziellinie läuft.

Für Athleten und Zuschauer macht genau den Reiz des Triples aus. „Der Modus ist sehr interessant, und Spannung ist auf jeden Fall garantiert. Es ist für uns Athleten ein richtig tolles, aber auch anstrengendes Wochenende“, erklärt Doppelweltmeister und Triplesieger Johannes Lamparter. Die ersten Triples habe er noch als junger Athlet vor dem Fernseher verfolgt, jetzt, 2023, hier zu siegen sei „Wahnsinn“. „Von diesem Sieg träumt jeder. Er ist neben dem Weltmeistertitel und dem Olympiasieg das große Ziel jedes Kombinierers.

Von der Vergangenheit in die Zukunft

Österreich und insbesondere Seefeld ist eng mit der Vergangenheit und der Entwicklung der nordischen Kombination verbunden. Der Österreichische Skiverband würde daher gern auch die Zukunft dieser besonderen Sportart mitgestalten. Ernst Vettori sähe das Nordic Combined Triple gern als das USP der nordischen Kombination. „Und zwar bei den Herren wie bei den Damen.“ Der ÖSV und der Skiclub Seefeld haben dafür mit der Hinzunahme von zwei Damenweltcups zum Triple im Januar 2023 ein starkes Zeichen gesetzt. Skiclub-Obfrau Jacqueline Stark: „Gerade im Hinblick auf die Entscheidung des IOC, die Damen 2026 nicht ins olympische Programm aufzunehmen, war uns das sehr wichtig.“ So will man die Entwicklung, die 2014 mit den ersten Damenwettkämpfen in Oberstdorf (Bayern) begann und dem Weltcupdebüt 2020 in Ramsau weiterging, bis zum großen Ziel Olympia 2030 weiter vorantreiben. Wichtige Schritte dazu waren auch der erste Einzelwettkampf bei den Weltmeisterschaften 2021 in Oberstdorf sowie der erste Mixed-Teambewerb bei jenen in Planica (Slowenien) am 26. Februar 2023.

Seit den ersten olympischen Spielen 1924 in Chamonix (Frankreich) gilt die nordische Kombination als Königsdisziplin des nordischen Skisports. 100 Jahre später ist ihre Zukunft aber ungewiss. Kritische Stimmen sehen gar die Herren-Wettbewerbe im olympischen Programm ab 2030 in Gefahr. Einen solchen historischen Einschnitt möchte niemand zulassen. Darum werden die Athlet:innen in den kommenden Tagen (1. bis 4. Februar 2024) beim Nordic Combined Triple der Herren und beim Doppelweltcup der Damen alles geben, um die Kombination von ihrer besten Seite zu präsentieren.

Einen weiteren spannenden Beitrag zur allgemeinen Geschichte der nordischen Kombination findet ihr unter:

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