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VOM SCHÜLER GRAND PRIX ZUR WM IN NUR SIEBEN JAHREN
Kathrin Ebenhoch

von Kathrin Ebenhoch

29. Januar 2024

VOM SCHÜLER GRAND PRIX ZUR WM IN NUR SIEBEN JAHREN

Die spannende Geschichte der nordischen Kombiniererinnen

Von 1. Bis 4. Februar 2024 findet das 11. Nordic Combined Triple in Seefeld statt. Die Damen sind zum zweiten Mal mit von der Partie und tragen von 1. bis 3. Februar sozusagen ihr Seefelder Double aus. Eine besondere Wertung wie bei den Herren gibt es noch keine, dennoch haben die Wettkämpfe in Tirol einen hohen Stellenwert im noch sehr jungen Damenweltcup. Doch wie kamen die Damen überhaupt zur nordischen Kombination, wer war die erste Kombiniererin Österreichs und wann ging es so richtig los mit Weltcup, Weltmeisterschaften und co? Antworten auf diese und andere Fragen gibt es in unserem kurzen Streifzug durch die Geschichte der Nordischen Kombination der Damen.

Bei den Herren sind die ersten Wettkämpfe in dieser Disziplin Ende des 19. Jahrhunderts in Norwegen dokumentiert. Damen werden hier nicht erwähnt. Man findet sie aber, sogar recht zahlreich, in Norwegens ersten Skisprungwettkämpfen (Die Geschichte des Frauenskispringens). Da zur damaligen Zeit Skispringen und Langlaufen meist eng verknüpft waren und Meistertitel nur in der Kombination aus beiden Disziplinen vergeben wurden (Wiki/Nordische_Kombination), ist anzunehmen, dass auch Damen in der „Königsdisziplin“ des nordischen Skisports antraten.

Am Anfang stand ein internationaler FIS Schüler Grand Prix

Während die Herren bereits 1924 bei den Olympischen Spielen, 1925 bei Weltmeisterschaften und ab 1983 im Weltcup kombinierten, mussten die Damen lange auf ihren offiziellen Startpunkt warten. Diesen stellte ein internationaler FIS Schüler Grand Prix in Oberstdorf im Allgäu am 29. August 2014 dar. Hier gingen rund 40 Athletinnen aus neun Nationen in der Kombination an den Start und ermittelten in drei Altersklassen ihre Siegerinnen. Rund ein Viertel von ihnen ist bis heute im Weltcup der Kombiniererinnen aktiv, ein Drittel wechselte zum Spezialspringen. Wer von den 40 als Allererste nordisch kombinierte, oder ob es in Japan oder den USA bereits früher als in Europa Starterinnen in dieser Disziplin gab, ist nicht mehr festzumachen. In den meisten Nationen ist es ohnehin so, dass bis zum Ende der Schülerjahrgänge (im Alter von 13/14 Jahren) alle Nachwuchssportler:innen bei nordischen Wettkämpfen sowohl auf der Schanze als auch in der Loipe starten.

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Timna Moser – Eine Pionierin, die keine sein will

In Österreich gilt Timna Moser aus Absam als Pionierin der Nordischen Kombination. „So würd‘ ich mich jetzt nicht bezeichnen“, meint die lachend. „Aber es freut mich, dass sich der Sport auch in Österreich so positiv entwickelt hat und die Mädels jetzt im Weltcup und bei Weltmeisterschaften starten können.“ Sie selbst kam über ihren älteren Bruder zum nordischen Skisport. „Er wollte immer Biathlon machen, und ich bin ihm als kleine Schwester in allem nachgelaufen. Im Nordic Team Absam hab‘ ich dann erst Langlaufen gelernt und später das Skispringen ausprobiert.“ Wie alle Nachwuchsathlet:innen startete Moser stets in beiden Disziplinen. Im Frühjahr 2014 absolvierte sie die Aufnahmeprüfung für das Skigymnasium Stams, als Spezialspringerin, denn eine Abteilung ‚Nordische Kombination für Mädchen‘ gab es damals dort nicht. Nachdem sie aber im Sommer 2014 den ersten offiziellen Wettkampf in dieser Disziplin souverän gewann, schulte sie doch als Kombiniererin im Eliteinternat ein. „Am Anfang war ich immer allein mit lauter Burschen unterwegs, das war für mich und die Trainer fordernd.“ Die mussten erst herausfinden, was Moser im Vergleich zu den Jungs im Training aushielt. „Das war manchmal ganz schön zach, aber ich hab‘ mich im Team immer sehr wohl gefühlt.“ Obwohl Moser über mehrere Jahre so gut wie alle Nachwuchswettkämpfe für sich entschied, endete mit ihrer Schulzeit in Stams auch ihre Karriere. „Ich erlitt zwei Ermüdungsbrüche und war lange verletzt. Dabei habe ich irgendwie die innere Verbindung zu meinem Sport verloren.“ Heute studiert die 25-Jährige, gibt Langlaufkurse für Erwachsene und verfolgt die Kombiwettkämpfe ihrer Nachfolgerinnen im Fernsehen oder, so wie in Seefeld, auch mal vor Ort.

Zuschauen oder Mitlaufen – Lisa Hirner

Die großen Entwicklungsschritte der Damenwettbewerbe hat die Tirolerin nur noch als Zuschauerin miterlebt. Eine andere Österreicherin war aber überall live dabei – Lisa Hirner. Eigentlich wollte die Steirerin so wie ihr Vater und ihr Onkel Skispringerin werden. „In meiner Trainingsgruppe in der Skihauptschule Eisenerz waren dann aber alle Kombinierer. Ich hatte die Wahl, beim Langlauftraining zusehen oder mitmachen.“ Zusehen war nichts für sie, Langlaufen zu Beginn auch nicht. Aber dann ist sie langsam hineingewachsen und kann sich heute gar nichts anderes mehr vorstellen.

Nachdem die nordischen Kombiniererinnen mit ihrem Bewerb nicht ins Programm der olympischen Spiele 2026 in Mailand/Cortina aufgenommen wurden, fragten die Medien Hirner, ob sie nun einen Wechsel zum Spezialspringen erwäge. Ihre Antwort war klar nein: „Ich werde (...) trotzdem bei diesem Sport bleiben und weiterkämpfen.“ (Der Standard, 28.6.2022)

Auf eine Teilnahme an den Olympischen Spiele müssen die Kombiniererinnen also noch warten. Bei allen anderen Wettkampfserien und Großevents sind sie mittlerweile dabei. In der Saison 2017/18 wurden erstmals Kontinentalcup-Wettbewerbe abgehalten. Im Januar 2018 folgte ein Testevent bei den Juniorenweltmeisterschaften in Kandersteg (Schweiz), den Jenny Nowak aus Deutschland für sich entschied, Hirner wurde Vierte. 2019 kürte sich Ayane Miyazaki aus Japan zur ersten offiziellen Juniorenweltmeisterin, Hirner belegte Rang fünf. Ein Jahr später, 2020 in Oberwiesenthal (Thüringen), reichte es dann endlich fürs Stockerl, und die Steierin holte mit Bronze die erste Junioren-WM-Medaille für die österreichischen Kombiniererinnen.

2020 – Olympische Ehren für die Jugend

Doch 2020 hatte für Hirner noch ein viel größeres Highlight zu bieten. Zum ersten Mal waren die Kombiniererinnen bei den Youth Olympic Games in Lausanne (YOG) zugelassen, und die Leobnerin holte sich in Prémanon/Les Tuffes die Goldmedaille im Einzelbewerb. Außerdem war sie zusammen mit Stefan Rettenegger Teil der Siegermannschaft im ‚Nordic Teamevent Skisprung‘, der jeweils von zwei Athlet:innen aus der Kombination und zwei aus dem Spezialspringen bestritten wurde. „Ich bin damals mit geringen Erwartungen hingefahren und dann mit zwei Goldmedaillen heimgefahren. Das war der Moment, der den Wunsch verstärkt hat, auch bei Olympia einmal ganz oben zu stehen.“ (Der Standard, 28.6.2022)

2020/21 – Premiere im Weltcup und bei den Weltmeisterschaften

Bis dahin waren und sind aber noch einige Schritte in dieser jungen Sportart zu machen. Der nächste war der erste Weltcup der Geschichte im Dezember 2020 in Ramsau. Dort hatten viele Athletinnen das Ziel ganz oben zu stehen und so unwiderruflich in den Geschichtsbüchern zu landen. Gelungen ist es Tara Gerathy-Moats. Die US-Amerikanerin gilt aber nicht nur aufgrund dieses Sieges als eine der Pionierinnen der Nordischen Kombination der Damen. Die heute 30-Jährige war wie Moser und Hirner von Anfang an dabei und dominierte vor Einführung des Weltcups über drei Jahre die Kontinentalcupserie. Bei den ersten Weltmeisterschaften im Februar 2021 in Oberstdorf stahlen ihr dann allerdings die Norwegerinnen mit einem Dreifachsieg die Show. Den Titel holte sich die damals erst 18-Jährige Gyda Westvold Hansen, die seitdem, mehr noch als ihr Teamkollege Jarl Magnus Riiber bei den Herren, den Weltcup und die WM-Bewerbe nach Belieben dominiert.

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Seefeld und die Zukunft

Westvold gewann im vergangenen Jahr auch die beiden ersten Wettkämpfe in Seefeld im Rahmen des Nordic Combined Triples sowie den zweiten WM-Titel in Planica 2023. Hier holte sie mit der norwegischen Mannschaft auch den Titel im allerersten Mixed Team-Bewerb.

Obwohl Renndirektor Lasse Ottesen sich für ein Nordic Combined Triple der Damen samt Mixed Teambewerb in Seefeld und der absoluten Gleichberechtigung bei den Olympischen Spielen 2030 einsetzt, ist 2024 die Zukunft der nordischen Kombination generell ungewiss. Kritische Stimmen sehen gar die Herren-Wettbewerbe im olympischen Programm ab 2030 in Gefahr. Die italienische Spitzenkombiniererin Annika Sieff – sie stand im Weltcup bereits fünf Mal auf dem Podest und wurde zuletzt zweimal Juniorenweltmeisterin – setzt daher bei ihren Heimspielen 2026 in Cortina auf den Spezialsprung. Pionierin Timna Moser kann solche Schritte um des persönlichen Olympiatraum willens zwar nachvollziehen. „Ich persönlich hätte die Kombi dafür aber nicht aufgegeben.“ Jene 35 Damen, die aktuell in der Weltcupwertung um Siege und Punkte kämpfen, haben dies auch nicht getan und gehen von 1. bis 3. Februar in Seefeld selbstbewusst den nächsten Schritt in Richtung Zukunft.

Einen weiteren spannenden Beitrag zur allgemeinen Geschichte der nordischen Kombination findet ihr unter:

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